17. May 2012

Marketing mit Wissenschaft

Bezahlte Studien, die zufällig genau das Ergebnis liefern, das dem Auftraggeber in die Karten spielt sind nichts neues. Wer zahlt schafft an zählt eben leider oft auch in der Marktforschung.

Ein besonders lustiges Beispiel aus dieser Kategorie möchte ich Euch heute vorstellen. Die Schlagzeile zur aktuellen Studie lautet: Studenten verzichten für ein iPad sogar auf Sex. Eigentlich eine unrealistische Fragestellung (wahrscheinlicher wäre die Situation Sex gegen Tablet-PC zu tauschen…).

Doch die Tendenz ist natürlich richtig. Studenten würden viel dafür tun, weniger Bücher zu schleppen, weniger zu kopieren, weniger in der Bibliothek suchen zu müssen. Gratis oder für vergleichsweise wenig Geld kann man sich bereits heute viele Bücher auf das iPad oder andere (nicht) vergleichbare Tablet-PCs und E-Book-Reader herunterladen. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, interessante Textstellen nicht mehr mit dem Textmarker oder mit Post-Ist zu markieren, der kann mit einem E-Book-Reader sehr glücklich werden.

Ich selbst weiß nicht, ob ich mich je daran gewöhnen werde, Bücher am Bildschirm zu lesen, aber da wir Studenten ja die Zukunft und Hoffnung der Nation sind, sollten wir uns den neuen Technologien gegenüber schon offen verhalten.

Nutzt Ihr schon einen E-Book-Reader für Eure Uni-Lektüre? Oder sind Textmarker, Bleistiftanmerkungen und Post-Ist immer noch ganz wichtig für effizientes Arbeiten?

Die Super Lernmethode

Welcher Student träumt nicht davon, jeglichen Lernstoff nach einmaligem Lesen auswendig zu können? Das zig-fache Wiederholen, Abfragen und Zusammenschreiben hätte dann endlich ein Ende und man könnte endlich wirklich effizient studieren…

Immer mal wieder lese ich von sensationellen Lernmethoden, die genau das versprechen: Maximaler Lernerfolg mit minimalem Aufwand.

Tja, was soll man nun davon halten? Ich denke immer, wenn die Methoden wirklich so genial wären, dann würde man Sie doch schon den Schulkindern beibringen… Und außerdem verrät einem immer niemand, wie diese Lernmethoden dann funktionieren sollen –außer man nimmt an einem teuren Kurs teil.

Nicht dass ich hier falsch verstanden werde, ich will ja nicht, dass jemand sein Wissen umsonst im Internet allen zur Verfügung stellt, aber wenigstens ein kleiner Hinweis wäre doch interessant. Geht es beim effizienten Lesen um die Körperhaltung, die innere Einstellung oder darum, vorher zu meditieren?

Jetzt bin ich wieder auf ein geniales Angebot gestoßen, das sich speziell an Studenten richtet. Wilfried Busse wirbt auf seiner Webseite dafür, seinen Klienten das richtige lernen beizubringen. Auf der Suche nach seiner Methode (ihr kennt mich mittlerweile – ich bin neugierig) bin ich darauf gestoßen, dass er sich sehr viel von einem gewissen L. Ron Hubbard abgeschaut hat. L. Ron Hubbard…? Richtig, der Name kam mir auch bekannt vor. Deshalb habe ich gegooglet und siehe da, ich hatte Recht: L. Ron Hubbard war der Gründer von Scientology! (Seine Seite möchte ich hier nicht verlinken, wir machen für so was ja keine Werbung, aber wer suchet, der findet…)

Und die Moral von der Geschicht’? Super-Lernmethoden gibt es nicht. Ein Studium ist immer noch harte Arbeit. Wer etwas anderes verspricht, dem sei mit einer gehörigen Portion Misstrauen zu begegnen!

Abkürzungen aus dem Studentenleben: Hiwi

Ein Hiwi ist eine Wissenschaftliche Hilfskraft, bzw. ein Hilfswissenschaftler. Es handelt sich also um einen Studentenjob innerhalb der Hochschule.

Hiwi-Stellen sind meist sehr begehrt unter den Studenten, was verschiedene Gründe hat. Zum Einen sind die Arbeitsplätze meist in der Universität, so dass Arbeit und Studium gut miteinander vereinbar ist, weil lange Fahrtwege zum Arbeitsplatz wegfallen. Zum Anderen bietet ein Hiwi-Job gute Möglichkeiten, um mit Dozenten und Professoren in Kontakt zu kommen. Für das eigene Studium kann das durchaus Vorteile haben.

Bezahlt sind die Hiwi-Stellen leider oftmals sehr schlecht. Dazu kommt, dass man vom Lehrstuhl oft als Mädchen für Alles angesehen wird. So fallen in den Aufgabenbereich von Hiwis oft auch langweilige Prüfungs-Beisitzungen, Klausurenkontrollen oder Bürosprechzeiten. Auch das Eintippen von Fragebogen-Ergebnissen in die Statistik-Programme wird gern an Hiwis delegiert.

Die Situation der Hiwis an den Hochschulen wird auch dadurch verschärft, dass es keine Personalvertretung für Sie gibt. Zu dem geringen Verdienst und kurzen Vertragslaufzeiten kommt also noch dazu, es kaum Tarifverträge gibt und man als Hiwi keinen Ansprechpartner bei Problemen am Arbeitsplatz hat.

Ein Hiwi-Job hat also Vor- und Nachteile. Doch aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass vor allem diejenigen Kommilitonen, die ohnehin eine Hochschul-Laufbahn einschlagen wollten, sehr von ihren Kontakten aus der Hiwi-Zeit profitiert haben.

Abkürzungen aus dem Studentenalltag: CT

CT ist die Abkürzung für das lateinische Cum Tempore. Übersetzt heißt das so viel wie ‚mit Zeit’.

Im Uni-Alltag ist damit die Anfangszeit einer Lehrveranstaltung gemeint.  Steht hinter der Uhrzeit die Abkürzung CT, dann bedeutet das, dass die Lehrveranstaltung eine viertel Stunde später anfängt, als zu der eigentlich angegebenen Uhrzeit. Man nennt das auch das Akademische Viertel.

In den letzten Jahren, und vor allem seit der Bologna Reform, ist das Akademische Viertel aber auf dem Rückzug. Viele Universitäten haben zu viele Studenten und straffen den Stundenplan um mehr Veranstaltungen pro Tag in den Räumen unterzukriegen. Die Seminarräume und Vorlesungssäle werden effizienter genutzt und die Studenten können aus mehr verschiedenen Lehrveranstaltungen wählen. Eigentlich ja eine sinnvolle Entwicklung, doch die Kaffeepause ist natürlich sehr verkürzt wenn Lehrveranstaltungen ST, also Sin Tempore anfangen.

  • 15:00 CT – Vorlesungsbeginn 15:15 Uhr
  • 15:00 ST – Vorlesungsbeginn 15:00 Uhr

Erstsemester-Flut

An deutschen Hochschulen wollen dieses Semester so viele Studenten mit dem Studium beginnen, wie nie zuvor. Der Grund ist, dass die Abschaffung der Wehrpflicht und die zusätzlichen Schüler aus dem doppelten Abiturjahrgang auf den gleichen Zeitraum fallen.

Bereits meine Generation, die Mitte der 2010er Jahre angefangen hat zu studieren, musste sich an Losverfahren beteiligen und stunden vor dem Beginn der Lehrveranstaltung eintreffen, um einen Platz zu bekommen. Damals gab es keine ‚Sonderjahrgänge’, doch einen Platz in einem Proseminar zu bekommen war trotzdem ein richtiger Kampf. Schon in der ersten Semesterwoche, in der man eigentlich ganz motiviert an den Start gegangen ist, war man dann am Freitag schon völlig ausgelaugt.

Da mag man sich gar nicht vorstellen, dass der Konkurrenzkampf im Studium dann noch größer wird… zu wenige Plätze, zu wenige Dozenten, zu wenig Betreuung?

Ich vermute mal, dass Ausbildungsberufe wieder im Ansehen der Abiturienten steigen und dass viele nach dem Studium ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Auslandsaufenthalt einlegen werden.

Einziger Vorteil für die Erstsemester in diesem Herbst: Sie kennen es gar nicht anders. Ich hoffe dass sich die Quälerei dadurch etwas in Grenzen hält.

Abkürzungen aus dem Studentenalltag: CP

Die älteren Semester unter uns kennen noch die guten alten Scheine. Für jedes Seminar und jede Vorlesung gab es einen Schein, was man tun musste, um den Schein zu bekommen (Klausur, Referat, Hausarbeit), konnte man aus dem Kommentierten Vorlesungsverzeichnis ablesen.

Nach der Bologna Reform und mit dem neu eingeführten Bachelor-Master System gibt es keine Scheine mehr, sondern nur noch Credit Points (CP). Das System mit den Credit Points funktioniert so, dass man, um für den Abschluss zugelassen zu werden, eine bestimmte Anzahl von Credit Points benötigt. Diese muss man dann in den Lehrveranstaltungen einsammeln.

Ein Seminar, bei dem viel Mitarbeit gefordert ist, wird mit vielen Credit Points belohnt. Als Student kann man also an der Anzahl der CP ablesen, wie anstrengend eine Lehrveranstaltung sein wird. Man kann die Punkte nämlich ungefähr in Arbeitsstunden umrechnen. Aus Sicht der Hochschule ist ein Credit Point etwa der Gegenwert für 25-30 Arbeitsstunden.

Für einen Bachelor Abschluss werden beispielsweise 180 Credit Points benötigt.

Leih-Oma für Studierende Eltern

Ich möchte Euch auf einen interessanten Artikel aufmerksam machen, über den ich gerade bei ZEIT ONLINE gestolpert bin: Die Uni-Oma ( 25. Juli 2011). Darin wird beschrieben, dass an der Uni Regensburg studierende Eltern ihre Kinder bei sogenannten Uni Omas abgeben können. Das sind Seniorinnen, die sich um die Kinder der Studenten kümmern und die Eltern damit im Studienalltag entlasten.

Wir finden: Wunderbare Idee und eine großartige Hilfe für Studenten mit Kindern. Die Uni-Omas sind ein Projekt, wie es in Zukunft immer mehr in Deutschland geben sollte (und geben muss), denn bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen müssen sich neue Strukturen bilden, die den Familienalltag ermöglichen.

Gibt es denn an Eurer Hochschule auch solche generationen-übergreifenden Betreuungsprojekte? Über Uni-Kindergärten hatten wir hier schon einmal berichtet, doch Uni-Omas sind uns neu.

Vielen Dank für Eure Kommentare und Links!

Abkürzungen aus dem Studentenleben: ZSB

Heute möchte ich für die Studien-Neulinge, Erstsemester und künftigen Studenten unter unseren Lesern eine kleine Serie beginnen, in der wir Begriffe aus dem Studienalltag erklären. Heute auf unserem Programm: ZSB

ZSB ist eine Abkürzung und steht für zentrale Studienberatung. Die ZSB ist eine Einrichtung, die es an jeder Universität gibt. Wie der Name schon sagt, können sich Studenten hier über Informationen zu den verschiedenen Studienfächern holen.

An die ZSB könnt Ihr Euch zum Beispiel wenden, wenn Ihr Fragen zu den folgenden Themen habt:

  • Studieneinstieg (Bewerbungsverfahren, Vorraussetzungen, etc.)
  • Studienverlauf (Semesterzahlen, Prüfungen, etc.)
  • Studienabschluss (Abschlussarbeit, Abschlussprüfungen, etc.)

Denn oft werden auf den Webseiten der Uni oder des jeweiligen Fachbereiches nur die Inhalte eines Studienganges beschrieben, nicht aber der tatsächliche Ablauf eines Studiums.

Aus diesem Grund gibt es die ZSB, sie soll für Studenten eine Anlaufstelle sein und die Fachbereiche entlasten.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass man mit fachinternen Fragen oder sehr speziellen Problemen bei der ZSB nicht an der richtigen Stelle ist. Oft sind dann das Prüfungsamt oder ein Lehrstuhlmitarbeiter die besseren Ansprechpartner.

Studentenküche

Ich habe hier einen Werbetext der Telekom vor mir liegen, in dem sich das Unternehmen dafür rühmt, mit der Kampagne Campus Cooking Studenten bei einer gesunden Ernährung zu unterstützen. Natürlich bleibt nicht unerwähnt, dass es auch superbillige Studententarife bei den Mobilfunkverträgen gibt. Klar.

Ich finde das ein bisschen verstörend. Wieso glaubt die Telekom, man könnte Studenten mit Kochbüchern und gesunder Ernährung ködern? Meiner Meinung nach kommen Studenten entweder selbst auf die Idee frische Gerichte zu kochen, weil die gesünder sind, oder sie interessieren sich nicht für das Thema Ernährung… Oder ist da jemand anderer Meinung?

Das Gute an der Initiative ist jedoch, dass der Telekommunikationskonzert versucht, Studenten dazu zu animieren in der WG gemeinsam zu kochen. Und das ist Meiner Meinung nach eine sehr gute Idee. Warum? Nun, Kochen an sich ist ja schon sehr heilsam, wenn es darum geht Abstand vom Alltagsstress zu bekommen. Man beschäftigt Hände und Kopf, ist dabei aber relativ entspannt und zum Schluss hat man üblicherweise das psychologisch so wichtige Erfolgserlebnis, wenn das Essen fertig ist und schmeckt.

Außerdem wird beim Kochen die Fähigkeit zum Multitasking trainiert. Wer gleichzeitig Zwiebeln hacken kann, aufpasst, dass nichts überkocht und das Rezept im Kopf auf eine andere Personenzahl umrechnet, den kann auch im Studium und später im Job nicht mehr so viel stressen. Wird gemeinsam gekocht, so erhöht sich der Koordinationsaufwand und soziale Kompetenzen werden gestärkt.

Studenten an die Kochtöpfe! Aber bitte nicht, weil die Telekom Euch das vorschlägt, sondern weil ihr selbst Bock auf gutes Essen habt. Haben wir uns verstanden?

Der Durchschnitts-Student

Die Zahlen sind schon etwas älter, aber ich bin jetzt erst darüber gestolpert: Der Durchschnittsstudent – ermittelt vom CampusBarometer 2010.

Befragt wurden etwa 1500 Studenten aus Deutschland zu ihrer allgemeinen Lebenssituation, ihren Zukunftsaussichten und ihren finanziellen Verhältnissen. Die Ergebnisse sind erstaunlich uninteressant.

  1. Studenten müssen nebenbei arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren
  2. Die Studienleistungen leiden unter dem Nebenjob
  3. Um die Finanzierung von Auslandsaufenthalten müssen Studenten sich selbst kümmern

Soweit so uninteressant, weil nicht neu für uns Studenten. Spannend wird es bei der Aussage, dass ein Viertel der Studenten Probleme hat, mit dem Budget auszukommen. Ich bin hin und her gerissen, ob mir diese Zahl nun hoch oder niedrig vorkommt. Ist es schon ein Problem, wenn man nur zweimal pro Woche ins Kino gehen kann, statt jeden Abend? Oder fangen die Probleme erst dann an, wenn man nicht die nötige Literatur fürs Studium kaufen kann? Ich weiß, Probleme sind subjektiv, aber ich denke im Vergleich zum gesellschaftlichen Durchschnitt können Studenten vielleicht sogar besser mit Geld umgehen… was meint Ihr?

By the way… der durchschnittliche deutsche Student ist weiblich und studiert Wirtschaftswissenschaften auf Bachelor. Als Frau freut mich das, als Sozialwissenschaftlerin muss ich natürlich etwas kritisch blinzeln.

Wie durchschnittlich seid Ihr?

Zum CampusBarometer 2010 (pdf)