SPIEGEL ONLINE widmet sich in dem Artikel Wie Studentenvertreter zur bedrohten Art werden um die aussterbende Spezies der Fachschaftsstudenten und Studierendenvertreter an den deutschen Unis.
Ich habe mich sehr über den Artikel gefreut und finde es sehr gut, dass das Thema aufgegriffen wurde. Ich glaube nämlich, dass ich in meiner eigenen Studienzeit hier einen Trend beobachtet habe. Man kann sich eigentlich nicht über mangelndes Engagement der Studenten beklagen, doch leisten Sie Ihren Dienst an der Gesellschaft ungern gegenüber ihren Kommilitonen. Lieber engagiert man sich in einer Studentengruppe oder Initiative, die einem bei der Entwicklung der eigenen Karriere hilft.
Ein Beispiel: Ich selbst habe zuerst Politikwissenschaft studiert. Die Funktionsweise der demokratischen Mitbestimmung ist mir also durchaus ein Begriff. Dennoch bin ich nicht in das Studierendenparlament gegangen, sondern wurde lieber Mitglied in einer Studentischen Unternehmensberatung. Weil: Kontakte knüpfen und Praxiserfahrung sammeln für mich damals am wichtigsten waren.
Ich hätte aber durchaus einiges zu sagen gehabt über die Bürokratie an unserer Universität über die Verwendung der Studiengebühren und über einiges mehr. Aber über ein paar Bücherwünsche, die ich per Mail an die Unibibliothek geschickt habe, bin ich nicht hinausgekommen.
Dennoch gab es ein Studierendenparlament an unserer Universität. Doch dort hatte ich eigentlich auch gar keine Lust, meine Meinung zu sagen. Die Wortführer waren ausschließlich die Hippies mit den Rastazöpfen und die Kiffer. Die fand ich eigentlich nett und habe mich gut mit ihnen verstanden, aber es hat mir widerstrebt, Teil einer (politischen) Bewegung oder Meinungsgruppe zu sein, die in der Öffentlichkeit grundsätzlich barfuss und trommelnd auftritt. Wenn mir das nun schon schwer fällt, wie abwegig wird das dann erst für die rosa-Polohemden-Jura-Studenten gewesen sein?
Weder gegen die Jura-Studenten, noch gegen die Hippies ist etwas einzuwenden. Ich kann beide Seiten sehr gut verstehen. Aber mir ist auch völlig klar, warum die Universitätsgremien und Fachschaften Nachwuchsmangel haben, wenn man sich fragen lassen muss, ob man kifft, das würden ja schließlich alle Kollegen im AstA auch tun.
Es ist nun mal nicht gut für die eigene Karriere, wenn die Kommilitonen einen für einen Hippie halten. Die werden dann nämlich fünfzehn Jahre später sicher zwei mal überlegen, ob sie einen lukrativen Mandanten an den ehemaligen Kiffer empfehlen.