Immer wieder stoße ich in den letzten Monaten auf Zeitungsartikel über die psychische Belastung von Studenten, die mich sehr erschrecken.
So stellt zum Beispiel der Universitäts-Psychologe der Uni Münster, Volker Koscielny fest, dass sich die Anzahl der Beratungsgespräche von 2007 bis 2008 um 10 Prozent auf 969 Beratungsgespräche erhöht hat. Koscielny weißt darauf hin, dass die Belastungen für den einzelnen Studenten stark gestiegen sind, da zum Beispiel einem Bachelor-Studenten nur sehr wenig Zeit bleibt um neben dem Studium zu jobben. (Spätestens) In Zeiten von Studiengebühren ist ein Nebenjob aber für viele Studenten die Existenzgrundlage. Die Belastung steigt also nicht nur durch die verschulten und zeitintensiven neuen Bachelor-Studiengänge, sondern eben auch durch die Sorgen um die eigene Lebensgrundlage.
Bei den extrem straffen Zeitplänen der Bachelor Studiengänge fehlt den Studenten aber nicht nur die Zeit zum arbeiten, sondern auch die Zeit, sich neben dem Studium zu engagieren. Und das ist nicht nur ein Schaden für die Hochschulgruppen von Parteien und Nicht-Regierungsorganisationen wie amnesty international oder die praxisorientierten Studentischen Initiativen wie die Studentischen Unternehmensberatungen. Auch für die Studenten selbst ist es sicherlich nicht förderlich für die Charakterbildung, wenn man sich als junger Mensche etliche Jahre lang beinahe ausschließlich um seine Karriere kümmern muss. Wo bleibt da der Kontakt zu Menschen die etwas anderes als man selbst, oder überhaupt nicht studieren. Wie soll jemand nach 5 Jahren BWL-Power-Studium sich ausdenken mit welchen Maßnahmen man kinderreiche Familien am besten anspricht oder wie man mit einem Redakteur sprechen muss, damit der einen möglichst wohlwollenden Artikel über die eigene Firma schreibt? Woher weiß so ein Student, dass Kollegen auch mal ihre Sorgen mit ins Büro bringen, oder auf dem Flur ordentlich über die Chefin gelästert wird?
Ich bin für viel Freizeit im Studium, die es den Studenten ermöglicht unabhängig vom Geldbeutel der Eltern zu lernen, sich zu engagieren und möglichst viel über das Leben zu lernen, bevor sie als Beziksleiter auf Lidl-Fillialen oder als Marketing-Fredi auf Programmierer losgelassen werden.
DAFÜR besetzen Studenten Hörsäle und DAFÜR protestieren wir auf der Straße! Studenten-Welt.de zeigt sich solidarisch mit den Kämpfern für eine bessere Ausbildung. Denn lebenskluge Studenten kommen der ganzen Gesellschaft zugute!
Weitere Artikel über die Situation der deutschen Studenten:
Hut ab vor den Studenten, die den Kampfgeist der 68er wieder aufleben lassen und für mehr Gerechtigkeit an den Unis protestieren. Wie sang schon einst Bob Marley: “Get up, stand up: Stand up for your rights!” Ich habe noch nach altem System studiert und beneide die Nachfolgegenerationen nicht, die sich mit Bachelor und Master rumschlagen müssen. Hoffentlich setzt in der Politik irgendwann mal ein Umdenken ein! Denn Unis sollten nicht zur reinen “Kaderschmiede” verkommen, in der Studenten wie durchs Fließband laufen!